Positionspapier zur Milch Juli 2008
15.07.2008 - 14:00 Uhr
Der Ring der Landjugend ist ein historisch gewachsener Zusammenschluss der
Landjugendverbände in Westfalen-Lippe. In unseren Mitgliedsverbänden sind rund 30.000 Jugendliche organisiert.
- Wir vertreten die Interessen der Jugend auf dem Lande in den berufsständischen Gremien der Landwirtschaft.
- Wir fördern die internationalen Beziehungen der ländlichen Bevölkerung durch einen Praktikantenaustausch u.a. mit Lettland und den USA.
- Wir setzen uns für die beruflichen, sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Belange der Jugend auf dem Lande ein.
Seit vielen Jahren verfolgt der Ring der Landjugend gemeinsam mit seinen Mitgliedern die Entwicklung des Milchmarktes, welche die finanziellen Spielräume der Milchviehbetriebe immer mehr einengt.
Nachdem die Diskussion um den Milchlieferstreik die Milcherzeuger gespalten hat, halten wir es für besonders wichtig, dass zukünftige Vereinbarungen sich an den tatsächlichen Anforderungen des Marktes orientieren, um langfristig tragfähig zu sein. Dabei unterschätzen wir zwar nicht die Appellfunktion öffentlichkeits-wirksamer Maßnahmen, die Möglichkeit bessere Preise zu erzielen sehen wir aber vor allem darin, ein marktgerechtes Angebot bereit zu stellen und Milcherzeuger hierin zu unterstützen.
Die Preise für Trinkmilch sind vom Lebensmitteleinzelhandel korrigiert worden, ein Beispiel, das nun auch auf andere Molkereiprodukte angewendet werden muss. Der Ring der Landjugend begrüßt daher die Verhandlungen zu neuen Kontrakten, die ein Miteinander zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Verkäufern ermöglichen, das dem Verbraucher dient. Viele junge Milcherzeuger wollen ihren landwirtschaftlichen Betrieb auch in der nächsten Generation fortführen. Sie nehmen dabei längere Arbeitszeiten und eine hohe unternehmerische Verantwortung in Kauf, weil sie gerne in ihrem Beruf arbeiten und ihre
Familienbetriebe erhalten wollen. Dadurch stellen sie nicht nur ein Hauptnahrungsmittel in hervorragender Qualität zur Verfügung, sie leisten auch einen großen Beitrag für die ländliche Entwicklung. Sie sind gut ausgebildet und leistungsbereit, aber eine Komponente kann dennoch nur von der Politik beeinflusst werden: sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen!
Der Quotenausstieg ist für 2015 beschlossen, und gerade wachsende Betriebe, die für die Zeit nach der Quote fit sein wollen, haben im Blick auf diese Entscheidung investiert. Geld, das an anderer Stelle zum Beispiel als Erweiterung der Produktionstechnik gebraucht worden wäre. Eine Quotenerhöhung bringt den Milchmarkt weiter in Bedrängnis und gefährdet die Milcherzeugung. Wir fordern die europäischen Politiker auf, diese Produktionsgrundlage zu achten und die Quotenmenge nicht zu erhöhen.
Die Anpassung an ein internationales Marktgeschehen bedingt leider auch größere
Preisschwankungen, auf die Milcherzeuger naturgemäß nicht oder nur stark eingeschränkt reagieren können. Um zu verhindern, dass Betriebe mit hohen Kapitalkosten diesen Schwankungen zum Opfer fallen müsste ein Milchfonds mit entsprechender Mittelausstattung geschaffen werden. Dieser muss auch auf europäischer Ebene durchsetzbar sein, ohne auf Mittel aus der ersten Säule zurück zu greifen.
Da sich ein angemessener Preis nur bei einem geringeren Angebot erzielen lässt, hält der Ring der Landjugend eine Begrenzung der Menge innerhalb der Quote für sinnvoll. Die Erhöhung des Umrechnungsfaktors Kilogramm pro Liter auf 1,03 ist eine Möglichkeit, die allerdings mit 1% Mengenverknappung eine relativ geringe Wirkung hat und dazu führt, dass die gekaufte oder gepachtete Quote ohne Ausgleich gekürzt wird. Die breite Diskussion um diesen Punkt hat dazu geführt, dass der Änderung des Umrechnungsfaktors eine psychologische Wirkung zukommt, die einen positiven Effekt haben würde. Wir sprechen uns
daher für eine Erhöhung des Umrechnungsfaktors aus.
Gerade im innereuropäischen Wettbewerb scheint es sinnvoll zu sein, die nationale Quote zu erfüllen, um die Milchproduktion für die Zeit nach dem Quotenausstieg wettbewerbsfähig zu machen. Auch praktisch zeigt sich, dass die Saldierung vielen wachsenden Betrieben die Möglichkeit bietet, ihre Produktion zu verbessern. Die Abschaffung der Molkereisaldierung halten wir dennoch für ein geeignetes Mittel um überzogene Überlieferungen zu verhindern und die Gerechtigkeit der Milchmengenregelung zu erhöhen. Für die Anwendung der Bundessaldierung können wir uns vorstellen diese auf einen bestimmten Anteil der Gesamtmenge zu reduzieren. Um den Betrieben dennoch ein vernünftiges Maß an Flexibilität zu gewährleisten können wir uns die Möglichkeit vorstellen, die eigene Milchmenge über einen längeren Zeitraum verrechnen zu können, um Schwankungen in der Produktion ausgleichen zu können. Ein solcher Ansatz könnte auch den Molkereien zugute kommen, etwa indem sie einzelbetriebliche Anreize schafft, in knapperen Zeiten zu produzieren.
Hochwertige Produkte müssen auch bestmöglich vermarktet werden. Dazu bieten
genossenschaftliche Unternehmen vom Grundsatz her beste Vorraussetzungen, die im Sinne ihrer Mitglieder genutzt werden müssen. Aber auch auf Erzeugerseite können die Chancen verbessert werden, etwa durch die Gründung von Erzeugergemeinschaften und aktive Preisverhandlungen der beteiligten Landwirte.
Besonders im internationalen Vergleich stehen unsere Landwirte unter dem zunehmenden Druck steigender Produktionskosten, Entwicklungen, die in dieser Konsequenz nur durch politische Regelungen aufgefangen werden können. Wir fordern daher eine Anpassung der Agrardieselbesteuerung in einer Weise, die der Bedeutung des Produktionsmittels Boden Rechnung trägt.
Quotenkosten sind noch immer ein großes Problem für junge Landwirte, die ihren Betrieb fit für die Zukunft in der Milcherzeugung machen wollen. Dem könnte man aber begegnen, indem man Anreize schafft, Produktionsmittel für die jüngere Generation frei zu geben, etwa durch eine Ausstiegshilfe für auslaufende Betriebe oder die vorrangige Berücksichtigung bei der Zuteilung aus der nationalen Reserve.
Wenn sich eine Quotenerhöhung nicht verhindern lässt, sollte die zusätzliche Quote Junglandwirten zugeteilt werden, die sie für die Vorbereitung auf die Produktion ohne Mengenbegrenzung am besten nutzen können. Die Quotenerhöhung soll schließlich nicht zu einer Einkommensverbesserung der abgebenden Betriebe auf Kosten der wachsenden Betriebe führen.
Genauso wie es gilt, unternehmerische Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, waren auch die Entscheidungen zum Lieferstreik persönliche Entscheidungen. Sie haben die Diskussion angeheizt und damit die Verhandlungsposition gegenüber dem Einzelhandel verbessert. Den Preis dafür bezahlen durch die Verluste bei den Molkereien auch die Berufskollegen, die sich entschieden haben nicht zu streiken, ein zusätzlicher Ausgleich darf daher nicht Gegendstand der Diskussion sein.
