Thesenpapier Tierschutz Rinderhaltung
31.01.2012 - 14:00 Uhr
Präambel
Der Tierschutz in der Nutztierhaltung wird in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch und emotional diskutiert. In diesen Diskussionen steht weniger die sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik Tierschutz im Vordergrund, sondern es prallen vielmehr fundamentale Standpunkte aufeinander, die oft auch von Unwissen geprägt sind. Der Ring der Landjugend in Westfalen-Lippe stellt sich offensiv der Diskussion um den Tierschutz und setzt sich mit dem Thema tierartbezogen auseinander. Dazu hat der Ring der Landjugend folgende Arbeitsthesen zum Tierschutz in der Rinderhaltung entwickelt, die zunächst innerhalb der Landwirtschaft kritisch zu diskutieren sind.
Enthornen ja, aber mit Schmerzbehandlung!
Aus Sicht des Rings der Landjugend ist das Enthornen von Kälbern derzeit noch unverzichtbar. In diesem Punkt müssen die Arbeitssicherheit und die Gesundheit der Tierhalter sowie der Schutz der Tiere vor Verletzungen durch behornte Tiere höher eingestuft werden, als der Eingriff durch das Enthornen. Der Ring der Landjugend spricht sich aber für eine verpflichtende Schmerzbehandlung der Kälber beim Enthornen aus, wenn diese vom Landwirt selbst durchgeführt werden kann. Dazu sind entsprechende Schulungen für Landwirte zu entwickeln.
Langfristig fordert der Ring der Landjugend eine Intensivierung der Zucht auf genetische Hornlosigkeit beim Rind. Zur Unterstützung und Beschleunigung der Zucht auf genetische Hornlosigkeit müssen ausreichende öffentliche Forschungsmittel bereitgestellt werden. In der Rinderzucht ist zudem ein Umdenken notwendig, wofür wir als Landjugendliche offensiv eintreten wollen. Ein einheitlicher Katalog, der alle genetisch hornlosen Bullen auflistet, wäre ein erster Schritt, um die Landwirte über das vorhandene Zuchtmaterial transparent zu informieren.
Zudem fordert der Ring der Landjugend jeden Landwirt auf, sich mit der bereits heute auf dem Markt vorhandenen hornlosen Genetik zu beschäftigen und diese nach Möglichkeit unverzüglich einzusetzen.
Rinderhaltung muss art- und tierschutzgerecht sein!
In der Rinderhaltung und insbesondere in der Milchviehhaltung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. Milchkühe werden heute in großen Laufställen gehalten, in denen die Tiere ihre Funktionskreise ausleben können. Ausreichend Bewegung, Licht und Luft zeichnen diese Ställe aus. Zum Widerkauen haben die Rinder weiche Liegeflächen zur Verfügung. Die veraltete Haltung von Milchkühen in Anbindeställen lehnen wir Landjugendliche ab. Wir fordern deshalb, keine Um- und Neubauten mit diesem Haltungssystem zu genehmigen.
Nachbesserungsbedarf besteht aus Sicht des Rings der Landjugend in der Haltung von Mastbullen und in der Jungviehaufzucht. Es ist dringend zu diskutieren, ob eine Haltung auf Vollspaltenböden noch zeitgemäß und zu akzeptieren ist. Der Ring der Landjugend fordert die Branche dazu auf, dieses Thema offensiv anzugehen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Ein Lösungsansatz für die Nachrüstung alter Ställe könnte eine Teilgummierung vorhandener Spaltenböden sein, die zur Schonung der Gelenke der Tiere einen entscheidenden Beitrag leisten kann. Für Neubauten fordern wir den Einbau von tiergerechten Liegeflächen.
Es ist klar, dass ein adhoc-Ausstieg aus den etablierten Haltungsformen für viele Landwirte wirtschaftlich nicht machbar ist. Um die Haltung von Milchkühen, Mastbullen aber auch in der Jungviehaufzucht zu verbessern, brauchen die Landwirte eine bessere Unterstützung der Politik. Wir erwarten, dass Investitionen in die Verbesserung von Haltungsbedingungen finanziell gefördert werden.
Rinder dürfen nur betriebsnah geschlachtet werden!
Aus Sicht des Rings der Landjugend muss dringend überprüft werden, wie weit Schlachttiere zum Schlachthof transportiert werden. Die gesetzlichen Regelungen sehen eine maximale Transportdauer von acht Stunden für Schlachttiere vor. Wir sind der Auffassung, dass es möglich ist, diese Grenze zu unterschreiten und anstelle des lebenden Tiers den gekühlten Schlachtkörper bis an den Ort der Endvermarktung zu transportieren.
Wir fordern freiwillige Vereinbarungen zum Tierschutz in der Rinderhaltung!
Eine Verbesserung der Haltungsbedingungen in der Rinderhaltung würde aus Sicht des Rings der Landjugend nicht nur dem Tierwohl Rechnung tragen, sondern auch die Ansprüche junger Betriebsleiter an einen modernen Arbeitsplatz erfüllen. Wir stehen als junge Landwirte für eine zukunftsorientierte Tierhaltung und fordern in diesem Sinne eine aktive Diskussion über freiwillige Vereinbarungen innerhalb der Landwirtschaft, die Mindestanforderungen an die Rinderhaltung definieren, z.B. im Rahmen von QS. Damit könnte aus der Landwirtschaft heraus ein positives Signal in Richtung der Öffentlichkeit gesetzt werden.
Schlussbemerkung
Der Ring der Landjugend steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit landwirtschaftlichen Nutztieren. Wir sind dazu bereit, neue Erkenntnisse und Anforderungen in unseren Ställen ein- und umzusetzen, wenn dadurch Verbesserungen im Sinne der Tiere zu erreichen sind.
Die Mitglieder des Rings der Landjugend fordern die Politik nachdrücklich dazu auf, für alle in diesem Zusammenhang getätigten Investitionen Planungssicherheit zu schaffen! Gesetzliche Regelungen müssen den Landwirten einen langfristigen Bestandsschutz zusichern, der mindestens die Finanzierungsdauer von Stallneu- und -umbauten abdeckt.
Weiterhin muss sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für eine 1:1-Umsetzung von Tierschutzvorgaben in den Mitgliedstaaten einsetzen, damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirte gesichert bleibt. Letztlich müssen beim wichtigen Thema Tierschutz Tier und Landwirt profitieren: das bedeutet, verbesserter Tierschutz muss zur Ertragssteigerung der Landwirtschaft führen.
Münster, im Januar 2012
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